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„Zwischen Himmel und Tündük“- Rezension

Wer in ferne, fremde Länder reist ist gut beraten, sich vorher zu informieren. Nachschlagewerke und Reiseführer können viele Fakten vermitteln, aber man interpretiert sie doch immer auf der Basis bisheriger eigener Erfahrungen. Und was man nicht in solchen Büchern findet, interpoliert man dann aus der eigenen Vorstellungswelt, um zu einem inneren Bild vom Reiseziel zu kommen.

Wenn dieses Bild schließlich auf das tatsächliche Erleben vor Ort trifft, so muss das nicht immer gut gehen. Man stellt vielleicht fest, dass man falsche Erwartungen hatte, oder man hat einfach die falsche Brille auf und sieht nur, was man selber sehen will. Gerade als Tourist mit wenig Zeit, dafür aber einem streng durchgetakteten Programm, kann man eventuell Enttäuschungen erleben oder bleibt an oberflächlichen Eindrücken hängen.

Es lohnt daher, sich umzuschauen, was andere Reisende jenseits von Zahlen und Fakten von ihrem Besuch mitgebracht haben – Stimmungen, Erlebnisse, Eindrücke. Angelika Sinn hat so einen subjektiven Report von ihrem Aufenthalt gemeinsam mit Freunden aus Europa im Rahmen eines Symposiums von Literaten und Kunstlern am kirgisischen Issyk-Kul vorgelegt.

Unter dem Titel „Zwischen Himmel und Tündük“ schildert sie ihre ganz eigenen Begegnungen mit Land und Leuten. Menschen, Natur und Tagträume werden sehr subjektiv beschrieben und gedeutet. Über die anekdotischen Bilder erschliesst sich das Treiben der kleinen Künstlergruppe  an den Ufern des Sees zwischen den Bergen des Tienshan. Ihre Eindrücke von den Menschen des Gastlandes trägt sie in kleinen, teils poetischen, teils ironischen, teils sogar skurrilen Skizzen zusammen. Das Buch wird so zu einem guten Einstieg für alle, die sich auf eine Reise voller Überraschungen in die Himmelsberge Zentralasiens einlassen wollen (oder vielleicht sogar eine solche Reise planen). Und damit der potentielle Leser nicht zu lange über den Titel nachgrübeln muss sei hier noch verraten, dass mit Tündük im Kirgisischen das zentrale Speichenrad in der Jurtenkuppel bezeichnet wird – Ankerpunkt für die Streben, die das Jurtengerüst bilden, gleichzeitig auch Rauchabzug für die Feuerstelle in der Jurte, und daher Symbol für die Gemeinschaft der Nomaden auf dem Emblem in der Landesflagge.

Das Buch ist in erster Auflage im Herbst 2021 im Sujet Verlag mit Illustrationen von Isabel Pauer erschienen (Paperback, 149 Seiten,  D: 16,80 €, ISBN 978-3-96202-089-7, www.sujetverlag.de)

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